Sämischgerbung

= Fettgerbung, Trangerbung

“Sämisch”: holländisch “seem” = “weich”, türkisch “semiz” = “fett”

Rohmaterial:

meist: Hirsche, Rehe, Gazellen und Rentiere
selten: Ziegen, Schafe, Kälber und Rinder

Gerbmittel:

meist: Fischtran – speziell Dorschtran
selten: andere Meeressäuger

Diese Fettstoffe besitzen die besondere Eigenschaft, dass sie ungesättigte Anteile (Glyzeriden) enthalten, die wiederum Sauerstoff aufnehmen können und damit gerbend wirken.

Vorgehensweise:

Die Narbenschicht der Rohhaut wird abgespalten. Unter ständiger Zugabe von Tran werden die Häute in einer Kurbelwalke oder einem Walkfass (rotierend) gewalkt. Anschließend werden die Häute meist in einer Trockenkammer bei bis zu 40°C getrocknet („Brut“). Diese drei Abläufe werden je nach Art und Gewicht der Häute zwischen drei- bis zehnmal wiederholt. Zum Abschluss werden die gegerbten Häute noch mit Soda ausgewaschen, eventuell geschliffen und falls gewünscht gefärbt.

Verwendung:

Fenster- & Autoleder, Bekleidungs- & Handschuhleder hauptsächlich für Trachtenmoden, Bandagenleder.

Ledereigenschaft:

sehr saugfähig & schweißbeständig, weich, nicht lichtecht, temperaturbeständig bis ca. 70°C.

Literatur

Hegenauer, Hans: Fachkunde Leder verarbeitende Berufe. 8. überarb., veränd. und erw. Auflage, Heyer, Essen 2001.

Moog, Gerhard E.: Der Gerber – Handbuch für die Lederherstellung. Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2005.

Endisch, Moog, Schubert: Von der Rohhaut zum Leder, Teil 1. Manuskript, Lederinstitut Gerberschule Reutlingen, Reutlingen 2001.